Erzurum (armenisch Arzen) ist die größte Stadt Ostanatoliens (Türkei). Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Erzurum und mit circa 800.000 Einwohnern eine der zehn größten Städte der Türkei. Sie liegt circa 190 km östlich von Erzincan und 1300 km östlich von Istanbul auf einem Hochplateau 1950 Meter über dem Meer. Früher war Erzurum eine der wichtigsten Stationen auf der Seidenstrasse von Persien zum Schwarzen Meer .
Die Stadt hat eine bewegende Geschichte. Nach Grabungen fand man heraus, daß im Neolithikum (4000-3500 v.Chr) bereits Ansiedlungen vorhanden waren. Um 415 n. Chr. wurde Erzurum unter dem Namen Theodosiopolis – benannt nach dem römischen Kaiser Theodosius II.- gegründet und wurde während des persisch-römischen Kriegs von 421-422 von den Truppen des Sassanidenkönigs Bahram V. belagert. 502 ging sie für kurze Zeit an die Perser verloren, konnte jedoch wieder zurückerobert werden. Im Zuge der arabischen Expansion wurde die Stadt von Arabern besetzt und von diesen in Kalikale umbenannt. Zwischenzeitlich wurde die Stadt wieder von den Byzantinern zurückerobert, bevor sie im 11. Jahrhundert an die Seldschuken fiel. Diese gaben dem Ort seinen endgültigen Namen, indem sie sie nach der armenischen Bezeichnung Arzen Erzen nannten. Allerdings gab es schon eine Stadt mit diesem Namen, so dass sie den Namenszusatz Rum hinzufügten. Rum bedeutete, dass diese Stadt auf dem römischen bzw byzantinischen Gebiet lag. Damit wurde aus Erzen Erzen al-Rum. Auf seldschukischen Münzen wurde die Stadt auch Arzen al-Rum genannt
Die Stadt entwickelte sich unter byzantinischer und seldschukischer Herrschaft trotz des rauhen Klimas (acht Monate Winter) und der großen Erdbebengefahr bis zum 15. Jahrhundert zu einer wichtigen Station der Seidenstraße von Persien zum Schwarzen Meer. Danach verlor die Stadt ihre Stellung durch die zunehmende Bedeutung der Handelsschifffahrt. Stadtmauern und Festungen aus dieser Zeit können noch heute besichtigt werden. 1515 wurde die Stadt in das Osmanische Reich eingegliedert.
Die Architektur der Stadt macht in ihrer Gesamtheit einen eher modernen Eindruck, da nach einem Erdbeben 1939 ein großer Teil wieder neu aufgebaut werden musste. Trotzdem sind noch genug Beispiele der bewegten Vergangenheit von Erzurum vorhanden. So findet man Moscheen, Medresen und Türben, die im 12. und 13. Jahrhundert von den Seldschuken erbaut wurden und etliche Bauwerke der osmanischen Zeit.
Im 19. Jahrhundert wurde Erzurum mehrfach von den Russen besetzt. Nach dem türkischen Unabhängigkeitskampf (bis 1922) fand in Erzurum der 1. türkische Nationalkongress statt, der eine wichtige Rolle bei der Republikgründung unter Kemal Atatürk spielte.
Auch in den 1980er Jahren wurde Erzurum von weiteren Erdbeben erschüttert, bei denen tausende Tote gezählt wurden.
Heute ist Erzurum vor allem wegen der Atatürk-Universität (Atatürk Üniversitesi) und als Wintersportzentrum bekannt. Das sechs Kilometer entfernte Palandöken bietet beste und sichere Schneequalität sowie viele gute Hotels. Hier wird auch 2011 die Universiade stattfinden.